15 Mai 2026
Mit einem feierlichen akademischen Akt hat das Pontificio Ateneo Sant’Anselmo in Rom dem deutschen Philosophiehistoriker Prof. Dr. Andreas Speer die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät verliehen.
In seiner Begrüßung würdigte Großkanzler Abtprimas Jeremias Schröder OSB die Bedeutung des Geehrten für die Erforschung der mittelalterlichen Geistesgeschichte. Zugleich stellte er die Verleihung in den größeren Zusammenhang der intellektuellen Entwicklung Sant’Anselmos. Das Ateneo habe sich, so Schröder, im Laufe seiner Geschichte zunehmend einem „sapientialen“ Denken geöffnet, das monastische Tradition und die Errungenschaften der Scholastik nicht gegeneinander ausspiele, sondern miteinander verbinde. Andreas Speer verkörpere diese Verbindung in besonderer Weise.
Der Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Andrea De Santis, hob in seiner Präsentation Speers internationales wissenschaftliches Ansehen hervor. Seit vielen Jahren prägt dieser als Direktor des Thomas-Instituts in Köln die Forschung zur mittelalterlichen Philosophie weit über Deutschland hinaus. Seine Arbeiten zur Metaphysik, Naturphilosophie und theologischen Weisheitstradition des Mittelalters gelten international als richtungsweisend. Besonders hervorgehoben wurden auch seine Studien zur liturgischen Symbolik, zu Meister Eckhart und zur monastischen Kultur von Saint-Denis, die eine besondere Nähe zur benediktinischen Tradition erkennen lassen.
Die Laudatio hielt Prof. Francesco De Feo OSB unter dem Titel „Artifex sapidus“, bevor Andreas Speer selbst seine Lectio magistralis zum Thema „Kontemplation und Philosophie: eine mittelalterliche Konstellation“ vortrug. Musikalisch wurde die Feier durch Werke von Gordon Jacob und Ennio Morricone gestaltet, interpretiert von Joel Schmidt OSB und Giacomo Balduzzi. Den Abschluss bildete die feierliche Übergabe des Diploms durch den Großkanzler und Rektor Prof. Jákó Örs Fehérváry OSB.
Mit Andreas Speer ehrt das Ateneo einen Gelehrten, dessen Werk die Einheit von philosophischer Reflexion, theologischer Tradition und kultureller Erinnerung sichtbar macht. Gerade in einer Zeit zunehmender Spezialisierung versteht Sant’Anselmo diese Verbindung als wesentlichen Bestandteil seiner eigenen akademischen und benediktinischen Identität. So war die Verleihung der Ehrendoktorwürde auch Ausdruck der internationalen Ausstrahlung und des geistigen Profils des Ateneo.






