Sant’Anselmo und das Holocaust-Gedächtnis-Museum in Washington schließen einen Kooperationsvertrag
Rom war ein entscheidender Knotenpunkt, an dem sich das Schicksal vieler Juden unter dem Faschismus entschied. Römische Archive bergen hier noch viele Informationen, die gehoben werden wollen. Sant’Anselmo hat seine Archivbestände nun zugänglich gemacht.
7 Juli 2026
Am 29. Juni 2026 unterzeichneten die Primatialabtei Sant’Anselmo in Rom und das United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington, D.C., eine Kooperationsvereinbarung über die Erschließung und Digitalisierung von Archivbeständen zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust.
Die Vereinbarung wurde in Sant’Anselmo von Abtprimas Jeremias Schröder OSB und Zachary Levine, Direktor für Archival and Curatorial Affairs am David M. Rubenstein National Institute for Holocaust Documentation des USHMM, unterzeichnet. Ihr vorausgegangen waren mehrere Monate intensiver Gespräche und Archivbesuche von Vertretern des Museums im Januar 2026.
Die Zusammenarbeit ist Teil eines internationalen Programms des Museums, das darauf abzielt, historische Quellen in kirchlichen Archiven zu erschließen, zu sichern und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Besonderes Interesse gilt Dokumenten, die Aufschluss über die Verfolgung der Juden und anderer Opfer des Nationalsozialismus sowie über Hilfs- und Rettungsmaßnahmen kirchlicher Einrichtungen während der Zeit des Nationalsozialismus geben.
Im Rahmen einer ersten Bestandsaufnahme identifizierten Mitarbeiter des Museums rund eintausend Seiten einschlägiger Archivalien in den Beständen von Sant’Anselmo. Dazu gehören die Korrespondenz von Abtprimas Fidelis von Stotzingen, seine Aufzeichnungen zur Vorbereitung der Audienzen bei Papst Pius XII. während der Kriegsjahre, Schreiben der Kardinäle Eugenio Pacelli und Luigi Maglione, Briefe von Benediktinerklöstern aus zahlreichen europäischen Ländern über die Auswirkungen des Krieges, die Bescheinigung des deutschen Stadtkommandanten über den exterritorialen Status von Sant’Anselmo sowie Berichte über die Auswirkungen des Krieges auf das Kolleg und die Benediktinergemeinschaft.
Die Vereinbarung sieht vor, dass das Museum die ausgewählten Archivalien digitalisiert und Sant’Anselmo einen vollständigen digitalen Datensatz zur Verfügung stellt. Gleichzeitig werden die Digitalisate dauerhaft in die Sammlungen des Museums aufgenommen und dort im Rahmen der geltenden Archivrichtlinien der internationalen Forschung zugänglich gemacht. Eigentum und rechtliche Verfügungsgewalt über die Originaldokumente verbleiben uneingeschränkt bei Sant’Anselmo. Darüber hinaus schafft die Vereinbarung einen verlässlichen Rahmen für eine weiterführende wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen.
Die Vereinbarung betrifft nur das Archiv der Primatialabtei Sant’Anselmo und nicht die gesamte Benediktinischen Konföderation. Dies entspricht der benediktinischen Selbständigkeit der einzelnen Klöster. Es besteht aber die Hoffnung, dass diese Zusammenarbeit weitere benediktinische Archive dazu ermutigen wird, sich an vergleichbaren Forschungsprojekten zu beteiligen und damit zu einem vertieften Verständnis der Geschichte des Holocaust sowie der Rolle monastischer Gemeinschaften in jener Zeit beizutragen.
Die Bewahrung und wissenschaftliche Erschließung historischer Quellen ist ein wichtiger Dienst an der Wahrheit und am kulturellen Gedächtnis. Mit dieser Kooperation möchte Sant’Anselmo einen Beitrag dazu leisten, die Erforschung eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte zu fördern und zugleich das Andenken an die Opfer der Verfolgung sowie an jene Menschen zu bewahren, die unter oft schwierigen und gefährlichen Umständen für Menschlichkeit und Würde eingetreten sind.

