Liturgie im Zeichen der Vielfalt – und des Krieges.
Ein Bericht aus Kuwait
Auf Einladung von Bischof Aldo Berardi sind P. Stefan Geiger OSB und P. Benoit Alloggia OSB nach Kuwait gereist, um dort einen Fortbildungskurs für den Klerus zu leiten. Aufgrund des plötzlich ausgebrochenen Krieges ist es ihnen derzeit nicht möglich, das Land zu verlassen.
7 März 2026
P. Stefan Geiger OSB
Preside
Pontificio Istituto Liturgico
Sant'Anselmo
Schon vor einiger Zeit hatte Bischof Aldo Berardi, Apostolischer Vikar von Nordarabien, beim Pontificio Istituto Liturgico einen Fortbildungskurs für seinen Klerus angefragt. Nun sind wir gekommen – und können vorerst nicht mehr weg. Zusammen mit unserem Gastmeister P. Benoit Alloggia OSB reiste ich nach Kuwait für diesen Kurs; weitere drei Tage in Bahrain waren geplant. Doch als wir am Samstag bereits im Flugzeug saßen und zur Startbahn rollten, begannen die ersten Angriffe. Seitdem ist der Luftraum geschlossen.
Das Apostolische Vikariat Nördliches Arabien (Vicariatus Apostolicus Arabiae Septentrionalis) umfasst die arabischen Staaten Kuwait, Bahrain, Katar und Saudi-Arabien und betreut nach eigenen Angaben schätzungsweise 2,2 Millionen Katholiken – fast ausnahmslos Arbeitsmigranten aus aller Welt. Etwa 80 % der Gläubigen gehören dem lateinischen Ritus an, während auch die Ostkirchen vor allem mit ihren Liturgien besonders sichtbar sind: syro-malabarisch, maronitisch, chaldäisch und weitere östliche Traditionen. In Saudi-Arabien ist jede öffentliche Glaubenspraxis verboten; dort existieren weder Kirchen noch Pfarreien.
Die gesamte Golfregion wurde in einen Konflikt hineingezogen, der nicht ihr eigener ist. Raketenalarme gehören inzwischen zum Alltag, die militärische Abwehr funktioniert gut und effizient. Aber die Atmosphäre ist dabei weniger von Kriegsrhetorik geprägt als von einer eher latenten, stillen Angst: Wie lange wird das dauern? Wie weit wird es sich ausbreiten? Und doch – die Kirche lebt. Das ist vielleicht das Eindrücklichste dieser Tage. Wir sind gut aufgenommen in der Holy Family Co-Cathedral Parish in Kuwait City, es fehlt uns an nichts.
Der Kurs selbst war theologisch dicht und lebendig. Im Mittelpunkt stand die Frage, die hier alles andere als akademisch ist: Wie feiert man Liturgie mit einer Gemeinde, die aus vielen Kulturen und Riten zusammengewachsen ist? Wie feiert man Liturgie in einem Kontext, der nicht der eigene ist? Die Gläubigen sind Arbeitsmigranten aus Indien, den Philippinen, Ägypten und dem Libanon, Menschen, die oft nur auf Zeit hier leben und doch eine bemerkenswert lebendige Gemeinschaft bilden. Der Klerus, überwiegend Missionspriester aus Indien und den Philippinen, vertritt verschiedene Riten und weiß, was auf dem Spiel steht: Ritus und Frömmigkeit sind für diese Menschen keine frommen Gewohnheiten, sondern Heimat. Die Filipinos bringen ihre verschiedenen Formen der Volksfrömmigkeit mit, die Inder ziehen die Schuhe aus, bevor sie vor der Lourdesgrotte im Atrium der Ko-Kathedrale ihr Gebet sprechen. Diese Formen aus der Heimat zu bewahren und zugleich in eine gemeinsame Feier zu integrieren ist die eigentliche liturgisch-pastorale Aufgabe, der sich Bischof Berardi und sein Klerus mit großem Ernst widmen.
Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt die Situation dieser Tage besonders deutlich. Angesichts des Konflikts wurden öffentliche Versammlungen untersagt, doch durfte nach einigen Tagen die Kirche zum persönlichen Gebet geöffnet bleiben. Die Messen an diesem Wochenende – dem Freitag als islamischem Feiertag und damit dem Tag der Sonntagsliturgie – finden als Livestream statt. Auch wir sind in die pastoralen Tätigkeiten einbezogen, sei es beim Feiern der Messe oder beim Beichthören. Besonders beeindruckt hat mich die Arbeit der Salesianer in einem Stadtteil von Kuwait City, in dem hauptsächlich Expats untergebracht sind. Dort wird eine Pfarrei betrieben, die offiziell nicht zugelassen wurde, aber geduldet wird. Wir durften am Freitag vor dem Angriff einen normalen Morgen erleben, an dem normalerweise zwischen 800 und 1000 Kinder zuerst zum Katechismusunterricht kommen, der in vielen Klassen abgehalten wird, nach Altersgruppen unterteilt von den Grundschülern bis hin zu den Jugendlichen in Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung. Eine große Zahl an Katecheten widmet sich engagiert und kompetent der Glaubensvermittlung. Abschluss ist die gemeinsame Eucharistiefeier, ein Fest des Glaubens, wo sichtbar wird, dass die Gegenwart Gottes Identität stärkt und schafft. Ein buntes, lebhaftes Treiben, das auf den ersten Blick überwältigt, aber bei genauem Hinschauen eines zeigt: dass Glaube hier mehr ist als Folklore. Dass er trägt. Dass er Gemeinschaft stiftet, gerade dort, wo man fremd ist.
Als Benediktiner sprechen wir oft von Gastfreundschaft – sie gehört zu den Grundpfeilern benediktinischer Spiritualität, wie sie die Regel des hl. Benedikt ausdrückt. Hier in Kuwait erleben wir sie wirklich, und vielleicht wird gerade hier deutlich, warum dem hl. Benedikt Gastfreundschaft so wichtig war, gewissermaßen als Essenz christlicher Existenz. Benedikt fordert uns auf, in jedem Gast Christus zu empfangen – und so geschieht ganz konkret Gegenwart Gottes unter uns. Von der Priestergemeinschaft in der Pfarrei der Ko-Kathedrale, die uns aufgenommen hat, bis hin zu den Christen, denen wir in diesen Tagen begegnen: Menschen, die selbst in einer unsicheren Lage sind und dennoch geben, was sie haben. In Kuwait erlebe ich, wie eine Kirche der Fremden – ecclesia peregrinans im buchstäblichen Sinne – genau diesen Geist lebt: verwurzelt im Gebet, gastfreundlich, und bemerkenswert hoffnungsfroh.











