In Memoriam: Monsignore Crispino Valenziano (1932–2026)

Das Päpstliche Liturgische Institut trauert um Msgr. Crispino Valenziano. Als Pionier der liturgischen Anthropologie prägte er an Sant'Anselmo die zweite Generation nachkonziliarer Liturgiewissenschaft.

26 Januar 2026

Am Samstag, dem 24. Januar 2026, ist Professor Msgr. Crispino Valenziano im Alter von 93 Jahren gestorben. Sein Name gehört untrennbar zum Päpstlichen Liturgischen Institut (PIL) am Päpstlichen Athenaeum Sant'Anselmo. Als zentrale Gestalt der „zweiten Generation" von Gelehrten setzte er in seiner Lehre das Erbe der Gründer fort und seiner ganz eigenen hermeneutischen Weisheit – die Liturgie nicht nur als Studiengegenstand zu verstehen, sondern als lebendige Begegnung mit dem Guten Hirten.

1932 in Cefalù geboren, führte Msgr. Valenzianos akademischer Weg über Rom, Genua und Straßburg bis zur Sorbonne, wo er bei Claude Lévi-Strauss Anthropologie studierte. Diese seltene Verbindung von theologischer Tiefe und anthropologischer Weite prägte sein ganzes Schaffen. Für Valenziano war Liturgiewissenschaft nie abstrakt; die Theorie wuchs aus dem gefeierten Ritus und der geduldigen Befragung der „Dokumente aus Stein". Er arbeitete daran, der Kirchenarchitektur ihre Würde als rituelle Erzählung zurückzugeben – den sakralen Raum als lesbaren Text zu verstehen, in dem jedes Element das gefeierte Mysterium mitteilt.

Seine Expertise diente der Weltkirche in besonderer Weise. 1965 von Papst Paul VI. in das Consilium zur Durchführung der Liturgiereform berufen, wirkte er später als Konsultor der Kongregation für Gottesdienst, des päpstlichen Zeremonialbüros und der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche. An Sant'Anselmo mündete seine Arbeit in der Gründung eines Spezialprogramms für Architektur und Kunst für die Liturgie. In Würdigung seiner Verdienste und akademischen Exzellenz verlieh ihm das PIL 2007 die Ehrendoktorwürde in Liturgiewissenschaft.

Als strenger Gelehrter und brillanter Redner war Valenziano bekannt für seine anspruchsvolle, dichte Prosa. Er prägte Generationen von Studierenden – viele von ihnen heute selbst Professoren – und lehrte sie: Seine Texte verlangen genaues Studium, die Liturgie selbst aber verlangt offene Augen für die Schönheit. Sein umfangreiches Werk, von Liturgia e antropologia (1998) bis zum monumentalen L'anello della sposa (2005), bleibt ein Eckstein liturgischer Reflexion, stets geleitet von der via pulchritudinis.

Bis zuletzt blieb er wissenschaftlich aktiv; sein letztes Buch, Il presepe, erschien im November 2025. Msgr. Valenziano nimmt nun Abschied von der irdischen Liturgie und erfüllt die Worte aus dem syrisch-maronitischen Ritus, die er so gern zitierte: „Bleibe im Frieden, heiliger Altar... Der Herr lasse mich dich wiedersehen in der Versammlung der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind."

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