Collegio Sant’Anselmo bietet Gregorianikkurs für Bewohner an
In Sant'Anselmo findet von Januar bis April 2026 ein Gregorianikkurs statt und bietet den Bewohnern des Collegio eine strukturierte Ausbildung in der lateinischen Gesangstradition, die von drei Spezialisten mit langjähriger akademischer und praktischer Erfahrung unterrichtet wird.
Papst Gregorius I. diktiert die gregorianischen Gesänge. Von Hartker von Sankt-Gallen
3 Januar 2026
Die Primatialabtei Sant’Anselmo bietet in Zusammenarbeit mit der Benediktinerstiftung Pax et Sapientia im ersten Semester 2026 einen Gregorianikkurs für Bewohner des Kollegs an. Die Initiative reagiert auf das wachsende Bewusstsein, dass neben den volkssprachlichen Traditionen eine solide Grundlage im lateinischen Repertoire für das benediktinische liturgische Leben von zentraler Bedeutung bleibt.
Der Kurs ist als ein konzentriertes Studienprogramm und nicht als eine allgemeine Einführung konzipiert. Ziel ist es, den Teilnehmern die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um den gregorianischen Gesang so zu verstehen, zu analysieren und zu interpretieren, wie er innerhalb der klösterlichen Tradition empfangen und weitergegeben wurde. Sowohl der musikalischen Gestalt als auch dem liturgischen Kontext wird Aufmerksamkeit geschenkt, so dass der Gesang als eine lebendige Praxis und nicht als eine rein historische Form erlebt werden kann.
Um Flexibilität zu gewährleisten, ist das Programm in zwei sich ergänzende Stufen unterteilt. Stufe I bietet eine grundlegende Einführung, die Notation, modale Struktur und rhythmische Prinzipien umfasst, die für das Lesen und den Gesang unerlässlich sind. Stufe II ist für ein fortgeschritteneres Studium gedacht und ist in zwei Stränge unterteilt: Geschichte, Formen und Modalitäten sowie Gregorianisches Dirigieren, mit besonderem Augenmerk auf Cheironomie und Chorarbeit. Die Teilnehmer können sich für eine oder beide Stufen anmelden, und diejenigen mit ausreichender Vorbereitung können direkt in Stufe II einsteigen.
Der Unterricht wird von drei Spezialisten mit langjähriger akademischer und praktischer Erfahrung erteilt. Inga Behrendt promovierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz mit dem Schwerpunkt auf dem Liber ordinarius von Seckau aus dem 14. Jahrhundert. Seit 2013 unterrichtet sie Gregorianik und deutschen liturgischen Gesang in Rottenburg-Stuttgart und ab 2024 am Päpstlichen Institut für Kirchenmusik in Rom, wo sie die Schola gregoriana leitet. Sie ist seit langem in der Internationalen Gesellschaft für Gregorianikforschung und in der Erstellung von melodischen Ausgaben des Graduale Romanum tätig.
Juan Pablo Rubio Sadia OSB ist Benediktinermöncht der Abtei Santa Cruz del Valle de los Caídos. Er erwarb akademische Grade in Kirchengeschichte Liturgietheologie in Madrid und war Mitglied des Atelier de Paléographie Musicale in Solesmes. Seit 2013 unterrichtet er am Päpstlichen Athenaeum Sant 'Anselmo und ist Vizepräsident der Hispanischen Vereinigung für das Studium des Gregorianischen Chorals. Er leitet außerdem die jährliche Studienwoche zum Gregorianischen Choral in seinem Heimatkloster.
Karol Cetwiński OSB, Benediktinermönch der Abtei Tyniec, wurde im Jahr 2020 zum Priester geweiht. Er studierte Gregorianischen Choral am Päpstlichen Institut für Kirchenmusik in Rom unter der Leitung von Professor Franz Praßl und studiert zurzeit Liturgiewissenschaft am Päpstlichen Liturgischen Institut des Athenaeums Sant'Anselmo. Er diente viele Jahre als Regens Choris in Tyniec und übt diese Funktion seit dem Jahr 2025 nun in Sant'Anselmo aus. Außerdem lehrt er Musiktheologie an der Musikakademie Krakau und ist bekannt für seine Engagement in internationalen Konferenzen und Kongregessen zum Gregorianischen Choral.
Alle Einheiten finden zwischen Januar und April 2026 statt und enden mit einem abschließenden Studientag am 25. April, der der Zusammenfassung, der gemeinsamen Probe und der Reflexion gewidmet ist. Die volle Kursgebühr beträgt 50 €, wobei die Kosten von der Stiftung Pax et Sapientia übernommen werden. Für die Collegio-Gemeinschaft bietet das Programm eine konkrete Möglichkeit, die gemeinsame liturgische Sprache zu vertiefen, die das benediktinische Gebet und die benediktinische Identität prägt.

